Past-Present-Future
Artist in Residency im 8. Februar - 8. März 2026
Jari Genser
Während des einmonatigen Aufenthalts in Innsbruck schuf Jari Genser eine Reihe von Werken, die sich mit der Geschichte und Identität der ehemaligen Apotheke auseinandersetzen. Getreu dem Thema „Past – Present – Future“ untersuchte er die Übergänge zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – und wie sich Spuren des Heilens, des Wissens und der Alchemie in unserer Zeit weiterverwandeln. Das Ergebnis der künstlerischen Auseinandersetzung mit historischen Materialien und Objekten aus der Sammlung sind drei Werkreihen, bestehend aus insgesamt 22 Werken. Diese Werkreihen orientieren sich sowohl inhaltlich wie auch formal an der Sammlung des Apothekenmuseums und dem Thema „Past – Present – Future“.
Past-Present-Future
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PAST- Apotheke der Begierde
4 Aquarelle auf Büttenpapier – 2 Werke 28 x 48cm, 1 Werk 16,8 x 20,1 cm, 1 Werk 15,6 x 18,7 cm (alle Werke gerahmt)
Die 4 Werke der Serie „Apotheke der Begierde“ greifen mythische Heilmittel aus der Geschichte auf. Diese legendären Substanzen entfachten die Begierde ganzer Generationen von Apotheker:innen. Manche haben wirklich existiert, andere gehören ins Reich der Fantasie, keines davon hatte allerdings den Effekt, den sich Menschen davon versprachen – ewiges Leben oder immerwährende Jugend.
Zu den einzelnen Werken: In dieser Serie wird die enorme Vielfalt der Sammlung gewürdigt, allerdings gerade nicht durch die Abbildung vorhandener Präparate, sondern durch die Darstellung jener, die nicht in ihr enthalten sind.
Ungu. Alcis PP – Cornu. Unicorn. – Lapis Drac. (28 x 48 cm)
Elchklaue (in Pulverform) sollte gemäß dem Volksglauben gegen Epilepsie helfen, machte man doch die Beobachtung, dass die Tiere sich mit den Hinterbeinen am Kopf kratzten. Das Horn des Einhorns und der „Drachenstein“, der sich angeblich im Kopf des Fabelwesens befand, existierten zwar nicht, was allerdings nicht bedeutet, dass sie nicht zum Verkauf angeboten wurden (z.B. als Stoßzahn des Narwals).
Sol. Arsen Fowlerii – Aqua Radii – Sang. Hirci (28 x 48 cm)
Arsen wurde im 19. Jahrhundert als Schönheitselixier eingesetzt, z.B. in Form der sogenannten „Fowler’schen Tropfen“. Radiumwasser galt nach Entdeckung der Radioaktivität 1898 wie viele radioaktive Substanzen als lebensverlängernd – beide Substanzen bewirkten aber das genaue Gegenteil. Aus einer anderen Zeit stammt das Bocksblut. Nach dem Volksglauben war das getrocknete Blut eines Bocks, der nur mit bestimmten Kräutern gefüttert wurde, die einzige Substanz, die hart genug war, um damit Diamanten zu spalten.
(Aurum potabile) (16,8 x 20,1 cm)
Das alchemistische Zeichen für das „flüssige Gold“, den trinkbaren Stein der Weisen, das sagenumwobene Elixier, das ewiges Leben versprach.
Panacea univ. (15,6 x 18,7 cm)
Panacea universalis, das Allheilmittel, das Gegengift gegen jede Krankheit.
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PRESENT - Ingwerfigürchen
8 Werke Öl auf Leinwand, 18 x 28cm, plus zweiseitige Zeichnung/Scherenschnitt „Alraune Winkler“ im Rahmen, 20 x 25cm
In der Sammlung des Apothekenmuseum befindet sich auch eine Alraune. Diese „berühmteste aller Zauberpflanzen“ ist der Wurzelstock der Mandragora officinalis, eines (giftigen) Nachtschattengewächses. Nachdem sie eine menschenähnliche Form hat, wurden ihr allerhand Zauberkräfte zugeschrieben. Sie wurde wie ein Schatz gehütet und in eigens für sie geschneiderte Kleidchen gesteckt (auch die Alraune aus der Sammlung trägt ein solches Kleid, traditionell aus rotem und weißem Garn). Dazu schreiben Hovorka und Kronfeld im 1908 erschienenen Lexikon „Vergleichende Volksmedizin“:
Der Alraun gab, wenn man seiner artig wartete, Bescheid auf alle Fragen und prophezeite die Zukunft. Er verdoppelte in stiller Nacht neben ihn gelegtes Geld, brachte Glück in allem, heilte Krankheiten, half den Frauen in der schwersten Stunde, schützte den Wein vor dem Sauerwerden, das Vieh vor dem Behexen usw. Und bis zur Stunde noch sagt man in Wien, so einer besonderes Glück im Spiele hat: „Der muß a Draunl (Alräunchen) im Sack haben!
Heute kennt man die Alraune z.B. von Harry Potter, wo ein anderer Mythos aufgegriffen wird: Die Alraune sollte, wenn sie aus der Erde gezogen wird, einen furchtbaren Schrei ausstoßen, der jede:n tötet, der/die ihn hört. Wieder aus der „Vergleichenden Volksmedizin“:
…man dürfe die Mandragora nicht selbst aus dem Boden ziehen, sondern ein schwarzer Hund müßte angetrieben werden, die mit dem oberen Teil an seinen Schweif festgebundene Wurzel auszuraufen, worauf man ein markerschütterndes Geschrei der Mandragora vernehme und der Hund tot hinstürze. Der Alraungraber müsse sich die Ohren mit Wachs verstopfen, um das Geheul der Wurzel zu überleben.
Ausgehend von der Alraune ist diese Serie einer anderen Wurzel gewidmet, die mit etwas Fantasie wie ein Mensch aussieht (und die im Gegensatz zur Alraune sehr gesund ist): dem Ingwer.
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FUTURE - Reiseapotheke
8 Werke Öl auf Leinwand, 12 x 18 cm, plus Familienwappen Winkler v.2026 (gemalter QR-Code), 26 x 32 cm
Die Serie „Reiseapotheke“ ist im Gegensatz zu den anderen beiden Werkreihen sehr persönlich: sie beschäftigt sich mit dem Inhalt des Necessaires des Künstlers. In illusionistischer Form (die Objektrahmen sind, genau wie ihr Inhalt, nur gemalt) zeigt sie Medikamente und ähnliche Dinge, die ihr Urheber in Zukunft (hoffentlich nicht) brauchen wird.